Presse

Er weiß wo der Schuh drückt

26. März 2026  - Quelle: -1

Josef Rengsberger wurde 80

„A Hund is er scho“, sagt man anerkennend auf gut bayrisch über Menschen wie ihn: Pragmatisch, das Ohr nah an den Leuten, organisatorisch ein Ass, bestens vernetzt, lebensfroh und mit dem Luxus einer eigenen Meinung. „I bin´s, der Rengsberger“, so seine klassisch unklassische Vorstellung am Telefon. Und es kommt was raus dabei. Für d´ Leut und für die Altstadt. Josef Rengsberger, ehemaliger langjähriger Mesner der Pfarrei St. Peter/Michael, Schuhmachermeister, früherer langjähriger Obermeister der Schumacher-Innung, seit 2015 Ehrenvorsitzender der Altstadtfreunde, deren Chef er 17 Jahre lang war, und vier Perioden lang einer der bestgewählten CSU-Stadträte, hat 2020 bewusst nicht mehr um ein Mandat kandidiert und ebenso salomonisch bei den Altstadtfreunden die erste Reihe Jüngeren überlassen. Und ist für sie da, wenn sie ihn brauchen. Gestern wurde er 80.

Er mag Straubing. Und noch mehr die Altstadt. Das Stadtviertel rund um St. Peter und nicht etwa der Stadtplatz, wie mancher Zuagroaste meint.

Eine Schnapsidee ist es nicht gewesen, vor 33 Jahren, als Rengsberger mit Freunden aus der Nachbarschaft ein ganz kleines Straßenfest veranstaltet hat. Es hat sich daraus eine generalstabsmäßig organisierte Großveranstaltung entwickelt. Immer vom ersten Nagel fürs Zelt im Boden bis zur Bedienung ehrenamtlich gestemmt. Zur liebenswerten Schlitzohrigkeit Rengsbergers gehört, dass er gerne um Nichtpolitiker als Schirmherrn geworben hat, „weil bei den Politikern immer das Wetter schlecht ist“. Corona und die Folgen haben dem Gesetz der Serie ein Ende gesetzt. Es wurde nach dieser Zäsur immer schwieriger, Mitarbeiter zu akquirieren, mehr noch die steigenden Kosten zu stemmen, von Zeltmiete bis Gema. Das Altstadtfest bleibt in den Herzen der Straubinger als kleiner Bruder des Gäubodenvolkfestes.

In den vergangenen 30 Jahren der Altstadtfreunde, was 2025 gefeiert werden konnte, wurden 250.000 Euro für kulturelle und soziale Zwecke gespendet. Die Alstadtfreunde waren im Boot bei der einzigartigen Schutzengelhilfe des verstorbenen Vereinsmitglieds Lutz Burgmayer, steuerten viel bei zum Erhalt dieses heute hochgeschätzten Kleinods und öffnen es noch heute regelmäßig für Besucher.

Das Altstadtfest, inzwischen vom aktuellen Vorstandsteam unter Leitung von Eva Siedersbeck durch einige nicht minder kreative Veranstaltungen ersetzt, hat am finanziellen und ideellen Erfolg wie der gesellschaftlichen Akzeptanz großen Anteil. Rengsberger hat daran großen Anteil.

1996 kandidierte er erstmals für den Stadtrat und wurde prompt von Listenplatz 16 auf 6 gehäufelt. 2008 schaffte er es von Listenplatz 6 auf 2, gleich nach Markus Pannermayr. Und 2014 von Listenplatz 9 auf 3. 2020 hat er sich fürs kommunalpolitische Austragsstüberl entschieden. Mit derselben Entschlossenheit, wie er sich 24 Jahre davor vorgenommen hatte, Stadtrat zu werden. Als er sich bei der Aufstellung der CSU-Liste für den Kommunalwahlkampf 1996 in der Versammlung vorstellte, hat er sich gewünscht, dass er seinen 50. Geburtstag als Stadtrat feiern darf. Er durfte. 2017 wurde er für seine kommunalen Verdienste mit der Goldenen Bürgermedaille geehrt.

Der Schuhmacher kann schon von Berufswegen nachfühlen, wo die Leute der Schuh drückt. Und kaum eine Sorge schien Josef Rengsberger zu nichtig. Vom fehlenden Zebrastreifen bis zur Einbahnstraße. Dann brachte er das zur Sprache. Er hat Sympathie für den kleinen Dienstweg, das wiederum macht ihn nahbar. Es ist sein Erfolgsgeheimnis. In der Altstadt ist er eine Institution. Der vierfache Vater kann für die gemeinsame Sache auf eine wie Pech und Schwefel zusammenhaltende Familie und seit 55 Jahren auf Ehefrau Dorle als Fels in der Brandung bauen. In zweiter Generation war er 30 Jahre (!) lang Mesner von St. Peter, hat dadurch viele Altstädter an Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen begleitet. Er kennt jeden in der Altstadt und jeder kennt ihn.Straubinger, die sich Schuhe gönnen, die nicht nur für eine Saison gemacht sind, verbinden mit ihm (und dem Sohn, der in seine beruflichen Fußstapfen getreten ist) den Vertreter einer selten gewordenen Zunft, der in seiner Werkstatt jeden noch so kopfsteinpflaster-geschädigten Pfennigabsatz wie neu aussehen lässt. Wenn Not am Mann ist, hilft er noch heute in der orthopädischen Schuhmacherei des Sohnes mit.

Wie man Josef Rengsberger kennt, sind seine Ärmel auch mit 80 hochgekrempelt oder die Ritterrüstung parat, wenn die Altstadt und ihre Kulturdenkmäler einen Fürsprecher oder Verteidiger brauchen sollte.

Text und Foto: Monika Schneider-Stranninger